21. Juni 2012 |
Mahle hat im Rahmen einer Pressekonferenz am gestrigen Mittwoch, 20. Juni 2012, in Stuttgart den Prototypen eines Elektrofahrzeugs mit Range Extender vorgestellt. Schon zur IAA 2011 hatte Mahle das Grundkonzept des Reichweitenverlängerers präsentiert, mit dem Demonstrator möchte das Unternehmen dieses System nun weiter erproben und die Alltagstauglichkeit nachweisen. Aber auch eine Serienfertigung wäre nach Aussagen von Dr. Uwe Mohr, Leiter Forschung und Vorausentwicklung bei Mahle, bei entsprechender Resonanz der Automobilhersteller möglich.
Der Range Extender besteht aus einem Hubkolbenmotor mit zwei Zylindern in Reihe und 0,9 l Hubraum. Das nach dem Viertakt-Prinzip arbeitende Aggregat entwickelt eine Leistung von 30 kW. Dies reicht laut Mahle aus, um das Ladeniveau der Batterie selbst bei schnellerer Autobahnfahrt zu erhalten. Der zweite Hauptbetriebspunkt bei 15 kW Leistung dient zur Aufladung der Batterie. Das Aggregat arbeitet hauptsächlich unter Volllast und treibt direkt einen im Kurbelgehäuse integrierten Generator an, der Strom für die Batterie erzeugt. Zwischen Verbrennungsmotor und Rädern gibt es keine mechanische Verbindung.
Der Antrieb des Fahrzeugs umfasst einen permanentmagneterregten Synchronmotor mit 55 kW Dauerleistung und 100 kW Spitzenleistung sowie ein Zweigang-Untersetzungsgetriebe. Zusammen mit einer Lithium-Ionen-Batterie mit 14 kWh Energieinhalt erreicht der Demonstrator im NEFZ eine rein elektrische Reichweite von mehr als 60 km, so Mahle. Zudem soll die Beschleunigung von 0 auf 100 km/h nur 12 s dauern und die Dauer-Höchstgeschwindigkeit 120 km/h betragen, kurzfristig sogar 145 km/h. Damit wäre die Fahrdynamik der Mahle-Entwicklung durchaus mit dem Basis-Serienfahrzeug vergleichbar, einem Audi A1. Besonders gering ist der CO2-Ausstoß im NEFZ, den das Unternehmen mit 45 g/km beziffert.
Ein auffälliges Charakteristikum des kleinen Range-Extender-Verbrennungsmotors ist der bewusste Verzicht auf kostspielige Technik. Da er in einem überwiegend stationären Zustand betrieben wird, sind Aufladung, variabler Ventiltrieb und mehr als zwei Ventile pro Zylinder aus Sicht von Mahle nicht erforderlich. Auch auf eine Ausgleichswelle wird bewusst verzichtet: Gegenläufige Zündzeitpunkte bei 0 und 180 Grad KW sowie gezielte Eingriffe in den Generatorbetrieb sollen die Drehungleichförmigkeiten des Zweizylinders signifikant senken und für ein gutes NVH-Verhalten sorgen. Mit Abmaßen von 481 x 416 x 327 mm und einer Masse von weniger als 65 kg inklusive Generator könnte der Range Extender im Motorraum oder in der Reserveradmulde im Fahrzeugheck untergebracht werden.
Quelle: ATZ online