Elektromobilität braucht neue Konzepte

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19. Juli 2012 | Olec-Tagung Nicht nur Ladestationen – Forscher für „Car-Sharing“ – Niederlande sehen Geschäftsideen


Viele Ideen: der Oldenburger Professor Robert Steinberger-Wilckens und Olec-Clustermanagerin Isabelle Gawenat bei der Tagung im Oldenburger TGO BILD: Andre van Elten

Auch im Nachbarland wird geforscht. Experten sehen Chancen für Kooperationen.

von Rüdiger Zu Klampen

Bei der Entwicklung der Elektro-Mobilität geht es längst nicht nur um Fahrzeug- und Batterietechnik. Vielmehr geht es auch um neue Infrastrukturen und Verkehrskonzepte. Daran wird im Nordwesten sowie in den benachbarten Niederlanden bereits intensiv gearbeitet, wie am Mittwoch bei der Tagung „Elektromobilität grenzüberschreitend gestalten“ der deutsch-niederländischen Kooperation „Hansa Energy Corridor“ in Oldenburg deutlich wurde. Die Aktivitäten könnten sich „hervorragend ergänzen“, meinte Roland Hentschel, Vorsitzender des federführenden Oldenburger Energieclusters (Olec), vor rund 50 deutschen und niederländischen Experten im Technologie- und Gründerzentrum Oldenburg (TGO).

Es sei wie immer bei Innovationen: Sie müssten Hindernisse überwinden, meinte Hentschel. Er nannte zur Elektromobilität den Preis der Autos, die begrenzte Reichweite und die inflexible Aufladung. Dies werde vielleicht schon bald anders sein.

Oldenburgs Oberbürgermeister Gerd Schwandner wies auf das rasante Tempo hin, das China bei dem Thema vorlege. Teils würden ganze Entwicklungsstufen übersprungen. Oldenburg habe dort aber schon vor Jahren Aufmerksamkeit mit dem Elektroauto E 3 von EWE erregt. Eine der vielen Fragen rund um die Elektromobilität sei: „Wie organisieren wir künftig Individualverkehr?“

Mit neuen Mobilitätskonzepten dazu hat sich – unter Einbeziehung einer Umfrage unter Oldenburger Bürgern – bereits eine Arbeitsgruppe mit Studierenden um die Professoren Robert Steinberger-Wilckens und Ulrich Scheele entwickelt. Eine Mehrheit wäre demnach für Car-Sharing-Modelle (man teilt sich ein Elektroauto). Dies müsse in Oldenburg für etwa 240 Fahrzeuge mit Standplätzen in stets kurzer Entfernung zu den Haushalten ebenso organisiert und finanziert werden wie ein Netz von etwa 120 Ladestationen, sagte Steinberger-Wilckens, Sprecher der Olec-Arbeitsgruppe Elektromobilität. Er hofft, dass die Projektgruppe mit neuem Elan nun an der Umsetzung von Ideen mitwirken kann.

Schon die Reichweite der heutigen Elektroautos von über 100 Kilometern reiche für die meisten Zwecke, auch in ländlichen Räumen, meinte Thorsten Müller vom Fraunhofer-Institut für Fahrzeugbau und angewandte Materialforschung. Aber er fügte mit Blick auf die Erschwernisse hinzu: „Wenn man sich darauf einlässt.“

Müller regte die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle an – bis hin zur Vermietung von Batterien, den „Verkauf“ von zu fahrenden Kilometern an Mieter, das Management von Auto-Pools oder das Aufladen während der Fahrt. Müller verwies auf diverse Projekte in der „Modellregion Nordwest“. Mehrere Experten betonten, entscheidend für die Klima-Bilanz sei ein hoher Ökostromanteil beim Betrieb.

Für die Niederlande betonte Julia Williams-Jacobse, Projektleiterin aus dem Wirtschaftsministerium, die Systeme für die Elektromobilität müssten „einfach zu handhaben und erschwinglich“ werden – einschließlich dem Aufladen, Bezahlen und Reparieren. Es gehe der Regierung bei der Förderung auch darum, rund um Elektromobilität neue Produktion und Dienstleistungen anzuschieben.

Weitere Referenten beschäftigten sich mit Informationstechnik (Till Luhmann/BTC), Berufen (Mark Klaas/BFE), Smart Grids (Michael Westerburg/EWE), Infrastruktur (Jürgen Köhler/E-Mobility Nord) und Konzepten der Autobranche (Matthias Brucke/Automotive Nordwest).


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Quelle: nwzonline.de

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